Hana Pátková

Die Böhmen in römischen Bruderschaften im Spätmittelalter

 

     Im spätmittelalterlichen Rom gab es mehrere  Korporationen, die nicht nur Römer, sondern auch die Besucher der Stadt oder die Ausländer, die in Rom lebten, vereinigten. Es wirkten in der Stadt z. B. die Bruderschaften der Leute  aus Norditalien (Florenz, Bologna usw.), der Franzosen, und auch der Deutschen: Campo Santo Teutonico, Anima-Bruderschaft, die Zünfte der deutschen Schuhmacher und Bäcker. Dabei handelt es sich nicht immer um eine am nationalen Grund gestützte Vereinigung, manchmal wurde die Nationalangehörigkeit eher territorial verstanden. Ausserdem gab es Bruderschaften, die nicht ausgeprägten nationalen Charakter hatten; die Mehrheit deren Mitglieder wurde von Ausländern verschiedenster Herkunft gebildet (S. Spirito in Sassia). Die teilweise überlieferten Bruderschaftsbücher und Rechnungen ermöglichen es, eine Untersuchung der aus Böhmen, bzw. Mähren stammenden Mitglieder in der zweiten Hälfte des 15. und am Anfang des 16. Jahrhunderts zu unternehmen. Es gelang, in den szs. „deutschen“ Bruderschaften (Campo Sancto Teutonico, Anima-Bruderschaft) und Zunften (Bäcker, Schuhmacher) einige Mitglieder, die eventuell als Böhmen identifiziert werden konnten, zu finden. Wahrscheinlich handelt es sich überwiegend um Leute aus deutschsprachigen und eher katholischen Gebieten Böhmens, bzw. Mährens. Unter den Mitgliedern der deutschen Zunfte und Campo Santo Teutonico kommen eher die in Rom angesessenen Leute vor, in Anima-Bruderschaft gelang es, die Besucher und langzeitige Bewohner der Stadt zu unterscheiden. Dort traten wahrscheinlich auch einige Tschechen ein. In der Bruderschaft S. Spirito in Sassia wurden manchmal die Mitglieder sogar von einem Vermittler eingeschrieben, ohne nach Rom zu reisen oder dort zu leben. Unter denen befanden sich auch Leute von tschechischer, teilweise auch adeliger Herkunft.

     Die böhmischen Mitglieder der römischen Bruderschaften bildeten nur eine geringe Gruppe. Doch weiss sie nach, dass die Böhmischen Länder in nachhussitischer Zeit nicht ganz isoliert blieben.