Jan M. Heller

Blahoslavs Übersetzung des Neuen Testaments

 

     Diese Arbeit ist der Übersetzung des Neuen Testaments gewidmet, die im Jahre 1564 der Geistliche der Brüdergemeinde Jan Blahoslav anfertigt hat. Ihr Ziel besteht in Folgendem: I. Blahoslavs Sprache und Übersetzungsstil zu analysieren und die Beispiele anhand ausgewählter Erscheinungen zu beleuchten, II. den Versuch einer Beantwortung der Frage zu unternehmen, was für Blahoslavs Übersetzung die Vorlage war, und III. Blahoslavs Werk im Kontext seiner Zeit und seiner ideologischen Zusammenhänge zu betrachten und so zur Diskussion über seine Bedeutung in der Sprachgeschichte des Tschechischen einen Beitrag zu leisten.

     Hinsichtlich Blahoslavs Übersetzungsmethode können wir folgende Ausgangspunkte feststellen: die Exklusivstellung der biblischen Sprache, das Bestreben um geringstmögliche Unterordnung der Sprache den linguistischen Regeln, wenn sie als künstlich oder intuitiv empfunden werden oder wenn sie seiner Ansicht nach zu kompliziert waren, das positive Verhältnis zu bereits nicht mehr produktiven Formen der älteren Sprache (ohne dass Blahoslav dabei das Bestreben nach deren Wiedereinführung an den Tag legen würde), das Bemühen, die Entferntheit des Rezipienten zu berücksichtigen, die Tendenz zur (jedoch nicht willkürlichen) Nachahmung der Altsprache. Die letztgenannte Tendenz zeigt sich vor allem in der Verwendung von Latinismen, vor allem syntaktischer (zum Beispiel des besitzanzeigenden Dativs), in geringerem Maße von Gräzismen und in Ausnahmefällen, wenn sehr ernste, vor allem theologische Gründe bestanden, auch von Hebräismen.

     Auf die Frage nach der Vorlage für Blahoslavs Übersetzung konnte bislang noch keine Antwort gefunden werden; die verschiedenen Meinungen schwanken hier zwischen dem Lateinischen und dem Griechischen oder es existiert gar der Gedanke, dass Blahoslav eigentlich gar nicht übersetzt, sondern nur eine ältere tschechische Vorlage adaptiert hat. Am wahrscheinlichsten erscheint eine gewisse Synthese aus diesem Ansichten: der Vergleich des griechisch-lateinischen Wortlauts mit der lokalen Tradition, die verkörpert ist durch die Übersetzung von Benedikt (Beneš) Optát und die Melantrich-Bibel.

     Blahoslavs sprachliche und übersetzerische Ansichten betrafen ausschließlich das biblische Tschechische, mitnichten das Tschechische als Ganzes oder die tschechische Schriftsprache. Blahoslav hat die Sonderstellung des biblischen Tschechischen selbst proklamiert und hat sie mit theologischen Gründen auch belegt. Da die theologischen Aspekte seine Arbeit und auch die Lösung konkreter Probleme beeinflussten, darf diese Dimension bei der weiteren Erforschung seines Werks nicht außer Acht gelassen werden.